Wozu Ethnologie?
Liana Chua
Forschung u.a. zu:
Anthropozän, Religion, Umweltschutz, Südostasien
Karim Zafer
Forschung u.a. zu:
Jugend, Migration, Transnationalismus, Europa und Mittelmeerraum
In dieser Serie kurzer Videoclips erklären Ethnolog*innen, warum Ethnologie heute unverzichtbar ist. Ausgehend von der Grundfrage der Anthropologie – was es heißt, Mensch zu sein – zeigen sie, wie Ethnologie das Vertraute fremd und das Fremde vertraut erscheinen lässt. Gerade in einer Welt wachsender Komplexität und tiefgreifender Differenz eröffnet die Ethnologie Perspektiven, die einfache Erklärungen ablehnen und stattdessen differenzierte, relationale Analysen sozialer Wirklichkeiten anbieten.
Die Beiträge machen deutlich, dass Ethnologie von Neugierde und kritischer Reflektion getrieben ist und daher stets transformativ wirkt: Sie verändert sowohl Wissensbestände als auch die Forschenden selbst. Die Ethnologie erweitert Denk- und Handlungsräume, indem sie alternative soziale und kulturelle Ordnungen ernst nimmt, Wissenshierarchien hinterfragt und aufzeigt, wie gesellschaftliche Transformationen gedacht und praktiziert werden können.
Konkrete Themenfelder wie Migration machen deutlich, wie ethnologische Forschung globale Ungleichheiten, Grenzregime und Lebensrealitäten in ihren politischen, ökonomischen und moralischen Dimensionen analysiert. Fragen der Dekolonisierung von Wissenschaft rücken die eigene Wissensproduktion in den Fokus und zeigen, wie durch reflexive Praxis und gleichberechtigte wissenschaftliche Kooperationen neue Formen des Forschens und Lehrens entstehen. Und umwelt-ethnologische Forschung verdeutlicht, wie vermeintlich natürliche Phänomene wie Artensterben und Klimawandel in komplexer Weise mit sozialen Ordnungen, ökonomischen Praktiken, politischen Machtverhältnissen und kulturellen Bedeutungszuschreibungen verwoben sind und nur in diesem Zusammenspiel adäquat verstanden werden können.
Im Zentrum des Faches steht die ethnographische Feldforschung: langfristige, teilnehmende Beobachtung, die auf Empathie und Teilhabe basiert. Ethnolog*innen bewegen sich in sozialen Grauzonen, in Ambivalenzen und Spannungsfeldern, und machen gerade dort Erkenntnisse möglich, wo normative Kategorien an ihre Grenzen stoßen und andere Forschungsmethoden blind sind.
Die Serie nahm ihren Anfang auf der DGSKA Tagung 2025 in Köln, als Sebastian Eschenbach und Britta von der Behrens einige Kolleg*innen über ihre Arbeit interviewten. Die Clips zeigen Ethnologie als kritische, lernende und transformierende Praxis – als eine Disziplin, die fundamentale Fragen der Menschheit neu stellt und zugleich konkrete Beiträge zur Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Zeit leistet.