Stellungnahme über Situation von Wissenschaftler*innen während Corona

Die DGSKA unterstützt mit einer Reihe anderer Fachgesellschaften eine Stellungnahme der Gesellschaft für Medienwissenschaft, in der auf die aktuellen Belastungen durch die Corona-Pandemie für eine große Mehrheit der befristet beschäftigten wie auch befristet verbeamteten Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftler*innen hingewiesen wird. Wissenschaftlicher Austausch und Vernetzung sind durch die Corona-Einschränkungen davon ebenso negativ betroffen wie Forschungsaufenthalte im In- und Ausland. Kranken- und Kinderbetreuungen schränken die verfügbare Arbeitszeit teils radikal ein. Eltern, Frauen* und Wissenschaftler*innen in Qualifizierungsphasen sind davon überproportional betroffen.

Aus diesem Grund wird an Bund und Länder appelliert, die Verlängerung der Befristung gemäß WissZeitVG erneut zu beschließen, klare Regelungen für die Verlängerung von Verbeamtungen auf Zeit zu treffen und eine finanzielle Absicherung dieser Maßnahmen zu gewährleisten. Universitäten sind aufgerufen, die sinnvollen Maßnahmen zur Unterstützung mobilen Arbeitens weiter zu unterstützen oder zu ermöglichen. Schließlich wird gundsätzlich von Beteiligten in Wissenschafts- und Hochschulpolitik gefordert, die Befristungs- und Beschäftigungspraxis angesichts dieser besonderen Situation auf den Prüfstand zu stellen.

Zur ausführlichen Stellungnahme gelangen Sie hier.

Zeugnisverweigerungsrecht für Wissenschaftler*innen

Gemeinsam mit dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Religionswissenschaft (DVRW) sowie einzelnen Wissenschaftler*innen unserer Fachgesellschaft startet der DGSKA-Vorstand eine Initiative für die Einführung eines Zeugnisverweigerungsrechts und Berufsgeheimnisses in der Wissenschaft. Ausgangspunkt dafür war die Durchsuchung des Büros Prof. Mark Stemmlers an der Universität Erlangen durch Beamte des Bayerischen Landeskriminalamts am 31.1.2020. Stemmler hatte im Rahmen eines Forschungsprojekts vertrauliche Gespräche mit inhaftierten Jihadis geführt. Interviewaufzeichnungen und weitere identifizierende Informationen wurden trotz seines Protests beschlagnahmt. Der Fall illustriert beispielhaft, dass Forschende derzeit über keine rechtlichen Möglichkeiten verfügen, wissenschaftliche Daten wirksam vor behördlichen Zugriffen zu schützen. Die Interviewpartner*innen selbst, das ethische Selbstverständnis der Wissenschaftler*innen und die Datenschutzregeln von Forschungsförderungsinstitutionen (er)fordern aber systematische und verbindliche Schutzzusagen, um gesellschaftlich wichtiges Wissen gewinnen zu können.

Auf Verfassungsblog.de werden derzeit in interdisziplinären Beiträgen aus den Rechts- und Sozialwissenschaften Gründe und Hürden für ein Zeugnisverweigerungsrecht für Wissenschaftler*innen debattiert und juristische Lösungsansätze formuliert.

Ziel des Vorstands ist es zunächst, weitere Fachgesellschaften sowie Forschungs- und Förderinstitutionen auf diese Gesetzeslücke aufmerksam zu machen und in einem nächsten Schritt mit deren Unterstützung etwaige Möglichkeiten einer Gesetzesänderung in dieser Richtung zu lancieren.

Amtsübergabe an Carola Lentz als neue Präsidentin des Goethe-Instituts

Heute findet die Amtsübergabe zwischen dem scheidenden Präsidenten Klaus-Dieter Lehmann und seiner Nachfolgerin Carola Lentz statt. Damit steht erstmals eine Ethnologin an der Spitze des Goethe-Instituts, das mit seinen über 157 Instituten in 98 Ländern weltweit in der Sprachvermittlung und Kulturarbeit tätig ist.

Von 2002 bis 2019 war Carola Lentz Professorin für Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo sie seit 2019 Seniorforschungsprofessorin ist. Seit 2018 bis jetzt war sie Vizepräsidentin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2018-2020). Von Herbst 2017 bis Sommer 2018 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Ihre langjährigen Forschungen – zunächst in Südamerika, seit 1987 regelmäßig in Westafrika – beleuchteten u.a. die Themen Ethnizität, Nationalismus, Kolonialismus, Erinnerungspolitik, Arbeitsmigration und die Herausbildung der Mittelklassen im globalen Süden. Von 2011-2015 war Carola Lentz Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (heute DGSKA).

Link zur Pressemeldung des Goethe-Instituts: https://www.goethe.de/de/uun/prs/p18.html

Link zu einem Interview mit Carola Lentz im Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunkkultur.de/interview.1007.de.html

Kontakt:

Dr. Jessica Kraatz Magri
Pressesprecherin und
Bereichsleiterin Kommunikation
Goethe-Institut e.V.
Tel.:+49 89 15921-249
Jessica.KraatzMagri@goethe.de

Hannah Cuvalo
Pressereferentin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
Hannah.cuvalo@goethe.de

Ausschreibung DGSKA-Dissertationspreis 2021

Die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie e.V. schreibt zum zweiten Mal ihren Dissertationspreis aus. Dieser Preis soll der besonderen Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Leistungen im Rahmen einer ethnologischen bzw. sozial- und kulturanthropologischen und auf ethnographischer Forschung basierenden Promotion dienen. Auch Arbeiten, welche vor allem Aspekte und Themen der Fachgeschichte in den Blick nehmen, können vorgeschlagen werden. Der Dissertationspreis wird für Doktorarbeiten vergeben, die an einer deutschsprachigen Universität eingereicht wurden. Er ist aktuell mit 1 x 1000€ (1. Preis) und 2 x 500€ (zwei 2. Preise) dotiert und wird bei der Zweijahrestagung der DGSKA e.V. in Bremen verliehen. Die Nominierung erfolgt durch eine_n Gutachter_in der Dissertation, der_die DGSKA-Mitglied ist. Eine elektronische Kopie der Dissertation inklusive der Dissertationsgutachten ist dem DGSKA-Vorstand bis zum 31. Dezember 2020 per Email an die Geschäftsstelle (geschaeftsstelle@dgska.de) in einem Gesamt-pdf zusammengefasst zuzusenden. Vorgeschlagen werden können alle Arbeiten, die zwischen dem 15.2.2019 und 31.12.2020 verteidigt worden sind. Der DGSKA-Vorstand stellt die Auswahlkommission zusammen, die die Entscheidung über die Preisvergabe im Vorfeld der Tagung in Bremen trifft.

Neuer Boas-Blog online: DGSKA-Herbstakademie

Neuer Boas-Blog online: DGSKA-Herbstakademie

Ein neuer Boas-Blog ist jetzt online, und zwar mit den ersten Inputs von der DGSKA-Herbstakademie „Fieldwork meets Crisis“.

Die erste Herbstschule der DGSKA nahm ihren Ausgangspunkt im aktuellen pandemischen Moment: (Feld-) Forschungen können auf einmal nicht oder nur in sehr kleinem Umfang durchgeführt werden, die Mobilität der Forscher*innen ist eingeschränkt, die physische Nähe vor Ort wird durch Online-Kontakte ersetzt, Planungssicherheit weicht Ungewissheit. Das provoziert wichtige Fragen und Diskussionen, die über den pandemischen Moment hinausgehen und für die Ethnologie relevant bleiben. Ein besonderer Fokus der Herbstschule lag auf Daten-gesättigten Lebenswelten und fragte nach sozialen Effekten der Digitalisierung sowie nach ihren methodischen und erkenntistheoretischen Auswirkungen auf unser Fach.