Zeugnisverweigerungsrecht für Wissenschaftler*innen

Gemeinsam mit dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Religionswissenschaft (DVRW) sowie einzelnen Wissenschaftler*innen unserer Fachgesellschaft startet der DGSKA-Vorstand eine Initiative für die Einführung eines Zeugnisverweigerungsrechts und Berufsgeheimnisses in der Wissenschaft. Ausgangspunkt dafür war die Durchsuchung des Büros Prof. Mark Stemmlers an der Universität Erlangen durch Beamte des Bayerischen Landeskriminalamts am 31.1.2020. Stemmler hatte im Rahmen eines Forschungsprojekts vertrauliche Gespräche mit inhaftierten Jihadis geführt. Interviewaufzeichnungen und weitere identifizierende Informationen wurden trotz seines Protests beschlagnahmt. Der Fall illustriert beispielhaft, dass Forschende derzeit über keine rechtlichen Möglichkeiten verfügen, wissenschaftliche Daten wirksam vor behördlichen Zugriffen zu schützen. Die Interviewpartner*innen selbst, das ethische Selbstverständnis der Wissenschaftler*innen und die Datenschutzregeln von Forschungsförderungsinstitutionen (er)fordern aber systematische und verbindliche Schutzzusagen, um gesellschaftlich wichtiges Wissen gewinnen zu können.

Auf Verfassungsblog.de werden derzeit in interdisziplinären Beiträgen aus den Rechts- und Sozialwissenschaften Gründe und Hürden für ein Zeugnisverweigerungsrecht für Wissenschaftler*innen debattiert und juristische Lösungsansätze formuliert.

Ziel des Vorstands ist es zunächst, weitere Fachgesellschaften sowie Forschungs- und Förderinstitutionen auf diese Gesetzeslücke aufmerksam zu machen und in einem nächsten Schritt mit deren Unterstützung etwaige Möglichkeiten einer Gesetzesänderung in dieser Richtung zu lancieren.

Amtsübergabe an Carola Lentz als neue Präsidentin des Goethe-Instituts

Heute findet die Amtsübergabe zwischen dem scheidenden Präsidenten Klaus-Dieter Lehmann und seiner Nachfolgerin Carola Lentz statt. Damit steht erstmals eine Ethnologin an der Spitze des Goethe-Instituts, das mit seinen über 157 Instituten in 98 Ländern weltweit in der Sprachvermittlung und Kulturarbeit tätig ist.

Von 2002 bis 2019 war Carola Lentz Professorin für Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo sie seit 2019 Seniorforschungsprofessorin ist. Seit 2018 bis jetzt war sie Vizepräsidentin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2018-2020). Von Herbst 2017 bis Sommer 2018 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Ihre langjährigen Forschungen – zunächst in Südamerika, seit 1987 regelmäßig in Westafrika – beleuchteten u.a. die Themen Ethnizität, Nationalismus, Kolonialismus, Erinnerungspolitik, Arbeitsmigration und die Herausbildung der Mittelklassen im globalen Süden. Von 2011-2015 war Carola Lentz Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (heute DGSKA).

Link zur Pressemeldung des Goethe-Instituts: https://www.goethe.de/de/uun/prs/p18.html

Link zu einem Interview mit Carola Lentz im Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunkkultur.de/interview.1007.de.html

Kontakt:

Dr. Jessica Kraatz Magri
Pressesprecherin und
Bereichsleiterin Kommunikation
Goethe-Institut e.V.
Tel.:+49 89 15921-249
Jessica.KraatzMagri@goethe.de

Hannah Cuvalo
Pressereferentin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
Hannah.cuvalo@goethe.de

Ausschreibung DGSKA-Dissertationspreis 2021

Die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie e.V. schreibt zum zweiten Mal ihren Dissertationspreis aus. Dieser Preis soll der besonderen Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Leistungen im Rahmen einer ethnologischen bzw. sozial- und kulturanthropologischen und auf ethnographischer Forschung basierenden Promotion dienen. Auch Arbeiten, welche vor allem Aspekte und Themen der Fachgeschichte in den Blick nehmen, können vorgeschlagen werden. Der Dissertationspreis wird für Doktorarbeiten vergeben, die an einer deutschsprachigen Universität eingereicht wurden. Er ist aktuell mit 1 x 1000€ (1. Preis) und 2 x 500€ (zwei 2. Preise) dotiert und wird bei der Zweijahrestagung der DGSKA e.V. in Bremen verliehen. Die Nominierung erfolgt durch eine_n Gutachter_in der Dissertation, der_die DGSKA-Mitglied ist. Eine elektronische Kopie der Dissertation inklusive der Dissertationsgutachten ist dem DGSKA-Vorstand bis zum 31. Dezember 2020 per Email an die Geschäftsstelle (geschaeftsstelle@dgska.de) in einem Gesamt-pdf zusammengefasst zuzusenden. Vorgeschlagen werden können alle Arbeiten, die zwischen dem 15.2.2019 und 31.12.2020 verteidigt worden sind. Der DGSKA-Vorstand stellt die Auswahlkommission zusammen, die die Entscheidung über die Preisvergabe im Vorfeld der Tagung in Bremen trifft.

Neuer Boas-Blog online: DGSKA-Herbstakademie

Neuer Boas-Blog online: DGSKA-Herbstakademie

Ein neuer Boas-Blog ist jetzt online, und zwar mit den ersten Inputs von der DGSKA-Herbstakademie „Fieldwork meets Crisis“.

Die erste Herbstschule der DGSKA nahm ihren Ausgangspunkt im aktuellen pandemischen Moment: (Feld-) Forschungen können auf einmal nicht oder nur in sehr kleinem Umfang durchgeführt werden, die Mobilität der Forscher*innen ist eingeschränkt, die physische Nähe vor Ort wird durch Online-Kontakte ersetzt, Planungssicherheit weicht Ungewissheit. Das provoziert wichtige Fragen und Diskussionen, die über den pandemischen Moment hinausgehen und für die Ethnologie relevant bleiben. Ein besonderer Fokus der Herbstschule lag auf Daten-gesättigten Lebenswelten und fragte nach sozialen Effekten der Digitalisierung sowie nach ihren methodischen und erkenntistheoretischen Auswirkungen auf unser Fach.

DGSKA-Tagung 2021: Start Call for Workshops

Ab sofort startet der Call for Workshops für die nächste DGSKA-Tagung „Welten. Zonen. Atmosphären. Seismographien des Anthropozäns“. Die Tagung findet vom 27. bis 30. September 2021 an der Universität Bremen statt. Vorschläge für Workshops, Roundtables und Labs können bis 15.9.2020 an Tagung2021@dgska.de geschickt werden. Zum ausführlichen Call for Workshops gelangen Sie hier.

Here you find the Call for Workshops in English.

DGSKA-Herbstakademie „Fieldwork meets Crisis“

Aus aktuellem Anlass lädt die DGSKA erstmals zu einer Herbstakademie für Doktorand_innen ein. Thema sind die besonderen Herausforderungen mit denen Nachwuchswissenschafter_innen aufgrund der aktuellen COVID-19-Pandemie zu kämpfen haben: die Mobilität sowie die Möglichkeit zur Feldforschung sind stark eingeschränkt und tragen neben den befristeten Beschäftigungen zusätzlich zu beruflicher Unsicherheit bei. Die Herbstakademie „Fieldwork meets Crisis“, welche vom 21. bis 23. Oktober 2020 digital stattfinden wird, möchte diese Herausforderungen thematisieren und Doktorand_innen auf der Suche nach Lösungen für ihre Forschungsvorhaben und akademischen Werdegänge unterstützen. Interessent_innen sind eingeladen, sich bis zum 7. September 2020 mit einem Exposé um die Teilnahme an der Herbstakademie zu bewerben. Weitere Hinweise zur Bewerbung sowie dem Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

The GAA invites doctoral students to join its first autumn school which addresses the challenges of COVID-19 for research and further academic career: researchers cannot carry out their research as planned and are exposed to professional uncertainty due to temporary employment limitations. The autumn school „Fieldwork in Crisis“ which takes place digitally from 21 to 23 October, 2020 aims to address these challenges and support doctoral students in seeking solutions for their research projects and academic careers. Deadline for applications is September 7th, 2020. Further information as well as the programme of the autumn school you find here.

Für eine menschenrechtskonforme europäische Migrationspolitik

In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich die AGs Migration und Public Anthropology, die RG Europa sowie der DGSKA-Vorstand für eine menschenrechtskonforme europäische Migrationspolitik während
der COVID-19-Pandemie aus. Denn während sich die mediale Aufmerksamkeit derzeit der Pandemie widmet, ist die sich zuspitzende Situation in den europäischen Flüchtlingslagern aus dem Blickfeld der öffentlichen Debatten verschwunden. Die ohnehin schon dramatische Situation in den griechischen Flüchtlingslagern verschärft sich indes weiter. Trotz COVID-19 und der damit verbundenen räumlichen Distanz zu Anderen: Das Schicksal der Menschen in den europäischen Flüchtlingslagern und an den EU Außengrenzen betrifft uns alle. Die Solidarisierung mit ihnen und ein Eintreten für eine politische Beendigung der unerträglichen Lebensumstände in den Flüchtlingslagern bleibt eine absolute Notwendigkeit.
Zur vollständigen Stellungnahme, mit angehängter Version auf Englisch, gelangen Sie hier.

Aufruf zur Freiheit von Fariba Abdelkha

Die französisch-arabische Ethnologin und Forscherin Fariba Abdelkha ist seit 300 Tagen in einem iranischen Gefängnis in Haft.
Als Fachverband deutschsprachiger Ethnolog_innen (DGSKA e.V.) unterstützen wir den internationalen Aufruf zu ihrer sofortigen Freilassung. Die französische Regierung sollte in diesen Tagen, angesichts der erhöhten Gesundheitsrisiken durch die COVID-19-Pandemie im Iran, alle diplomatischen Möglichkeiten im Dialog mit der iranischen Regierung umsetzen, damit Fariba Abeldkha schnellst möglich nach Frankreich ausreisen kann.

Click here for an English version.

 

Wahl des RatSWD

Die Wahl der Mitglieder für den RatSWD (Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten) beginnt in Kürze. Wahlberechtigt sind alle promovierten Wissenschaftler_innen, die an einer wissenschaftlichen Einrichtung tätig sind. Um an dieser Wahl teilnehmen zu können müssen sich alle bis zum 3. Februar 2020 in ein Wahlverzeichnis eintragen. Die Wahl findet ab dem 10. Februar statt.

Hier geht es zur Registrierung.

Bisher sind wir als Mitglieder der DGSKA nicht in diesem Gremium vertreten, sollten dies aber dringend ändern. Der RatSWD ist ein unabhängiger Beirat der Bundesregierung, der die strategische Weiterentwicklung der Forschungsdateninfrastruktur in Deutschland vorantreibt, die Interessen der Mitglieder vertritt, die Politik berät und für Akkreditierungen und Evaluationen zuständig ist. Insgesamt wirken dort derzeit acht gewählte Vertreterinnen und Vertreter aus den empirischen Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften mit. Es hat sich gezeigt, dass es für die zukünftige Planung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland – und diese hat unmittelbar zunehmende Konsequenzen auch für unser Fach – unbedingt notwendig ist, die Anteile der qualitativen Forschung zu stärken und unsere Standpunkte in diese kritischen Diskussionen und Entscheidungen mit einzubringen.

Da es nur wenige Vertreter*innen in diesem Gremium gibt, ist es günstig, eine Koalition mit der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) vorzuschlagen. Für die qualitative Forschung kandidieren als Team in diesem Sinne:

Hansjörg Dilger für die DGSKA

und

Gertraud Koch für die Deutsche Gesellschaft für Volkskunde (dgv)

Des Weiteren sollten Sie in Betracht ziehen, Herrn Jörg Strübing von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) zu unterstützen, der ebenfalls die qualitative Forschung in seinem Faches vertritt.

Weitere Informationen zur Wahl und zum Vorgehen finden Sie unter folgender Adresse:

 

Gemeinsame Stellungnahme zum Urteil über die Verwendbarkeit des N-Wortes

Gemeinsam mit den Fachgesellschaften VAD (Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland), dgv (Deutsche Gesellschaft für Volkskunde) und dem Fachverband Afrikanistik veröffentlicht die DGSKA eine Stellungnahme zum Urteil des Landesverfassungsgerichts Mecklenburg-Vorpommern zur Verwendbarkeit des N-Wortes in parlamentarischen Debatten. Wir üben scharfe Kritik am Urteil des LVerfG M-V vom 19. Dezember 2019, das den Gebrauch des N-Wortes im Landtag erlaubt und einen damit verbundenen Ordnungsruf als verfassungswidrig einstuft. Wir sind bestürzt darüber, dass das Verfassungsgericht die wissenschaftlich vielfach belegte rassistisch-herabsetzende Konnotation des Begriffs relativiert, die abwertenden Redestrategien eines AfD-Abgeordneten als „jedenfalls nicht in allen Fällen die Würde des Hauses verletzend“ einstuft und damit die diskriminierende Bezeichnung einer ganzen Bevölkerungsgruppe ins Recht zu setzten scheint.

Das Gericht hatte zu entscheiden, ob der Ordnungsruf gegen einen AfD-Abgeordneten im mecklenburgischen Landtag, der den Begriff „N*****“ insgesamt viermal in einer Debatte des Jahres 2018 verwendet hatte, verfassungskonform sei. Der Ordnungsruf hatte die Nutzung des Begriffs gerügt und für die Zukunft untersagt. Das Landesverfassungsgericht urteilt nun, die Begründung des Ordnungsrufs sei zu allgemein gehalten und deshalb nicht verfassungskonform.

Zur vollständigen Stellungnahme gelangen Sie hier.